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Durch Dunkelheit zum Licht

Von der Ohnmacht der Künstler und der Macht ihrer Bilder

Zu dieser Ausstellung laden wir Sie herzlich ein in die Galerie Hebecker in Weimar, Schillerstraße 18 – vom 13. bis 23. Dezember 2025 und 6. Januar bis 28. März 2026

Mit Werken von:
Elisabeth Ahnert 
Theo Balden 
Günther Blau
Gudrun Brüne
Fritz Cremer
Kate Diehn-Bit
Curt Ehrhardt
René Graetz
Ernst Hassebrauk
Otto Herbig
Edgar Knobloch
Horst de Marées
Wolfgang Mattheuer
Gerhard Kurt Müller
Karl Ortelt
Otto Pankok
Wolfgang Peuker
Uwe Pfeifer
Heinz Plank
Curt Querner
Theodor Rosenhauer
Horst Sakulowski
Hans Scheib
Karl Völker
Hans Walther
Johannes Wüsten
Baldwin Zettl


Hommage zum 100. | Kabinettausstellung

Berhard Heisig


Diese Aus­stell­ung vereint Bil­der, die auf Zäs­ur­en ver­weis­en, auf Be­droh­ungen des Da­seins, auf das Her­ein­brech­en von Ge­walt, der­en ul­ti­ma­ti­ve Steig­er­ung der Krieg ist. Sie zeigt Kunst, die im klaren Be­wusst­sein für die Ver­letz­lich­keit des Le­bens ent­stand­en ist, die das Zer­stör­er­i­sche er­in­nert, zu­gleich je­doch kon­tert, in­dem sie dem En­de ei­nen An­fang ent­ge­gen­setzt und dem Ver­geh­en ein Wer­den.

In die­sem Zu­sam­men­hang rich­tet sich un­ser Blick auf den ver­meint­lichen Wi­der­spruch, dass der Ohn­macht der Künst­ler hin­sicht­lich der gro­ßen Ver­werf­ungen ihr­er Zeit die er­heb­liche Macht ihr­er Wer­ke ge­gen­ü­ber­steht. Sich be­wusst zu mach­en, wo­rin die­se Macht grün­det, kann se­gens­reich und tröst­lich sein.

Die Ti­tel­ab­bild­ung un­ser­es Falt­blat­tes zeigt das 2004 voll­en­de­te Ge­mäl­de Heinz Planks „Gethsemane“ . Es kreist um den Mo­ment im Pas­sions­ge­scheh­en, in dem Christ­us – ab­seits sei­ner Jün­ger in ei­nem Gar­ten am Fuße des Öl­bergs be­tend – der Schwere des ihm vor­be­stim­mten We­ges vollends ge­wahr wird. Es geht um die Angst vor dem Kom­men­den und dar­um, dies­es an­zu­nehm­en. Es geht um Zwei­fel und De­mut, um Ein­sam­keit wie um das Ge­bor­gen­sein in ein­em um­fas­sen­den Zu­sam­men­hang. Plank ver­moch­te dies­es zen­tra­le abend­länd­ische Sujet so ad­äquat wie ein­zig­artig in ein be­rühr­en­des Bild zu über­setz­en.

Natür­lich spiel­en in der Kunst­ent­steh­ung auch sehr persön­li­che An­läs­se eine Rol­le und sind nicht sel­ten maß­geb­lich für die Identi­fi­ka­tion des Künst­lers mit ei­nem Bild­the­ma. Sol­che lie­ßen sich auch hier be­nen­nen. Doch wol­len wir mit Blick auf die Ver­schied­en­heit der in un­ser­er Aus­stell­ung ver­tre­ten­en Pos­i­tion­en un­ser Inter­es­se auf ei­ne grund­sätz­liche Ana­lo­gie rich­ten, die in die­sem Bild auf­scheint und die ei­nen kardi­na­len Weg künst­ler­i­scher Welt­an­eig­nung ver­deut­licht. Die­se Ent­sprech­ung ist selbst­ver­ständ­lich meta­phor­i­scher und nicht theo­lo­gi­scher Nat­ur. Gen­er­ell lässt sich aus Planks in­divi­du­el­ler An­näher­ung an das Gethsemane-Mo­tiv ein abend­länd­i­scher kult­ur­el­ler Arche­typ ab­leit­en, der uns – letzt­lich un­ab­häng­ig von persön­li­chen Glau­bens­fragen – zu ein­em Ver­ständ­nis künst­ler­i­schen Seins führt, wel­ches sich im An­nehm­en je­ner Auf­ga­ben ver­wirklicht, die sich stel­len. Ein sol­ches Selbst­ver­ständ­nis for­dert vom Künst­ler ein­en Wirk­lich­keits­sinn, der darin be­steht, sei­ne Au­gen nicht vor dem zu verschließen, was ihm die Welt of­fen­bart und sei­ner Be­ruf­ung ge­mäß das Ge­seh­en­e, das gei­stig Er­fasste, das e­mo­tio­nal Er­fahr­en­e in größ­tmög­li­cher Klar­heit des Aus­drucks zu be­zeu­gen, in­dem er es in die Schön­heit ein­es wahr­haftig­en Werkes trans­form­iert. Wenn wir vor die­sem Hin­ter­grund zur Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zwi­schen der Ohn­macht der Künst­ler und der Wirk­macht der Bil­der zu­rück­kehr­en, so er­ge­ben sich Ant-wort­mög­lich­kei­ten. Der an­fäng­lich in die­ser Dua­li­tät ver­mut­bare Wi­der­spruch weicht der Ahn­ung ei­nes ur­säch­li­chen Zu­sam­men­hangs. Denn es sind ge­ra­de die Ohn­macht des Künst­lers, sei­ne mit­un­ter rand­ständ­i­ge Pos­i­tion in der Ge­sell­schaft, sein ü­ber­schau­bar­es Ar­sen­al an hand­fest­en Mög­lich­kei­ten, die ihn zu ei­ner In­ten­si­tät der Wirk­lich­keits­wahr­nehm­ung brin­gen, der so­wohl die Viel­en als auch die Mächt­i­gen au­swei­chen. Für den Künst­ler, des­sen Mit­tel die der Re­flex­ion und Wieder­ga­be sind, nicht je­ne macht­vol­len Hand­el­ns, des­sen Auf­ga­be die diff­e­ren­zier­te und da­durch wahr­heits­ge­mä­ße Welt­er­fass­ung ist, nicht die Welt­ver­änder­ung, kä­me es ei­ner be­ruf­li­chen Selbst­auf­ga­be gleich, sich in die trü­ge­ri­sche Si­cher­heit von Ver­dräng­ung und Igno­ranz zu­rück­zu­zieh­en o­der sich von polit­i­schen Ver­such­en ei­ner Wirk­lich­keits­ü­ber­wind­ung ver­ein­nahm­en zu las­sen. Sei­ner Auf­ga­be und sich selbst treu zu blei­ben, hat mit­un­ter ei­nen ho­hen Preis. Doch auch der künst­ler­i­sche Lohn kann – wie die Kunst­ge­schich­te zeigt – gra­vier­end aus­fal­len, wenn man mit In­stinkt und Mut sei­nen Weg durch die Dun­kel­heit find­et. Das Licht, das man da­nach sieht ist, noch kost­bar­er. Die Welt, die man auf die­se Wei­se er­kennt, ist in ihr­er Wider­sprüch­lich­keit rei­cher. Ober­fläch­li­che Eu­phor­ie und Ver­zweifl­ung schwin­den und öff­nen Lie­be und Me­lan­cho­lie zu­sätz­li­chen Raum. Der Blick auf das Le­ben wird ver­gebungs­vol­ler, em­path­i­scher und ge­winnt da­bei doch an Schär­fe. Un­ter sol­chen Be­ding­ung­en kön­nen Bil­der ent­steh­en, die in dem Maße, in dem sie re­al­er wer­den, auch tröst­li­cher sind. Sie such­en ihre Schön­heit nicht an der Ober­flä­che, son­dern fin­den sie in der Wahr­heit ei­nes tie­fen Ver­ständ­nis­ses für Mensch und Welt.

Über den Jahr­es­wechs­el ge­stalt­en wir uns­e­re Rosen­hauer-Aus­stell­ung um, da­mit Sie ab dem 9.1.2026 bis­her nicht ge­zeig­ten wie ver­traut­en Werk­en in neu­er Kon­stell­a­tion be­geg­nen kön­nen.
GALERIE HEBECKER
Dienstag–Freitag 11–18
und Samstag 11–16 Uhr
Ausstellung ROSENHAUER
Freitag 11–18 Uhr sowie am
Wochenende von 11–16 Uhr

Schillerstraße 18 | 99423 Weimar | T 03643–853741 | M 0177–3232044 info(at)hebecker.com | bilderhaus(at)arcor.de | rosenhauerweimar(at)vodafonemail.de

(Aus­stell­ungs­blatt in Druck­an­sicht – PDF)

(Urheber: Galerie Hebecker 12/2025, mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht)